Profil anzeigen

Welche Vorteile hat Langeweile, Ronya Othmann?

24 gute Tage - der LVZ-Adventsletter24 gute Tage - der LVZ-Adventsletter

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
meine gute Freundin hat ein neues Hobby. Sie puzzelt. Es ist ihr Lockdown-Hobby, sie kaufte sich im April ein 2.000 Teile Puzzle und im November das nächste. Geduldig sitzt sie Stunde um Stunde auf dem Wohnzimmerboden, wühlt sich durch die winzigen Teilchen, alle paar Jahre passt dann mal eines ins Gesamtwerk. “Man kann doch abends sonst nichts mehr machen”, sagt sie, aber in Wahrheit war sie noch nie jemand, der abends viel gemacht hat. Meine Freundin ist die Sorte Mensch, die im sogenannten “social distancing” ganz heimlich auch ein bisschen erleichtert aufatmet, weil sie sich nicht mehr Tag für Tag zwischen den vielen sozialen Verpflichtungen, die das Leben in der Großstadt (Berlin!) mit sich bringt, und ihrem Sofa entscheiden muss, sondern dem Sofa ganz ohne schlechtes Gewissen den Vorzug geben kann.
Manchmal liegt sie stundenlang auf diesem Sofa und guckt an die Decke. “Och, ich liege noch”, schreibt sie dann, wenn ich frage, was sie tut. Das meint sie wörtlich. Sie liegt. Also ohne ein Buch, das sie liest. Ohne Musik, der sie zuhört. Ohne einem Film, der nebenbei läuft und ihr das Gefühl gibt, beschäftigt zu sein. Wenn meine Freundin liegt, dann liegt sie wirklich einfach nur rum und guckt.
Mir, einem Menschen, der Stillstand nur schwer erträgt, erscheint dieses Verhalten äußerst befremdlich. Beim Puzzeln kriege ich Wutanfälle, weil ich zu ungeduldig dafür bin. Wenn ich zu lange auf dem Sofa liege, kriege ich schlechte Laune, weil ich denke, ich müsste meine Zeit besser nutzen.
Doch nun werden Sie staunen: Meine Freundin ist einer der kreativsten Mensch, die ich kenne. In ihrem Job zündet sie eine Idee nach der nächsten, sogar unter Zeitdruck. Sie liegt also rum und guckt in die Welt hinaus und irgendwo in ihrem Kopf ruht sich etwas aus, streckt sich einmal, dass es knackst, steht auf, sagt “So, bin bereit” und die nächste Idee sitzt wie der perfekte Schuss.
Gut Ding will eben lange Weile - und Langeweile - haben.
Bleiben Sie, wenn Sie können, jetzt doch einfach noch ein paar Minuten liegen.
Ihre Julia Grass
Welche Vorteile hat Langeweile, Ronya Othmann?

Autorin Ronya Othmann. Foto: ORF/Johannes Puch
Autorin Ronya Othmann. Foto: ORF/Johannes Puch
Es gibt zwei Formen von Langeweile, die eine ist, man hat was zu tun, man sitzt die Stunden ab, verrichtet Arbeiten, eine stumpfer als die andere, alles ödet einen an, die Zeit will nicht vergehen und abends ist man müde und trotzdem ist nichts passiert.
An dieser Langeweile ist nichts gut.
Die andere Form von Langeweile ist, man hat nichts zu tun und schaut aus dem Fenster, die Katze läuft über die Straße, irgendwo hupt ein Auto. Man liest ein paar Seiten, hängt die Wäsche auf. Irgendwann ist Abend und es war sehr schön.
Ronya Othmann (27) hat am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert und gewann 2019 den Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Die Protagonistin Leyla ihres Debütromans “Die Sonne” hat kurdisch-jesidische Wurzeln – genau wie Othmann selbst.  
Wir öffnen... Türchen 8 im LVZ-Adventskalender

Foto: Christian Modla
Foto: Christian Modla
Tanken müssen wir auch in der Corona-Zeit - um zur Arbeit zu pendeln, die schweren Weihnachtseinkäufe oder die Weihnachtstanne nach Hause zu transportieren. Vielleicht wollen Sie aber auch das Auto vor dem Fest nochmal durch die Waschstraße fahren? Heute verlosen wir gleich fünf Gutscheine á 25 Euro. Mitmachen lohnt sich also.
Ein Licht für die „Wunderfinder“ in Leipzig

Die neunjährige Ela Amo aus Leipzig ist mit dem Wunderfinder-Tagebuch auf Entdeckertour. Foto: Alexander Prautzsch
Die neunjährige Ela Amo aus Leipzig ist mit dem Wunderfinder-Tagebuch auf Entdeckertour. Foto: Alexander Prautzsch
Das Projekt Wunderfinder der Stiftung Bürger für Leipzig vermittelt Bildungspatenschaften an Hortkinder im Leipziger Osten und in Grünau. Rund 60 Prozent der Patenkinder haben Migrationshintergrund. Christina Hapke ist eine Wunderfinderin. Gemeinsam mit ihrem Patenkind, der neunjährigen Ela, geht die Leipzigerin regelmäßig auf Entdeckungstour durch die Stadt. 
„Aktuell engagieren sich 75 Bürger als Wunderfinder-Paten für jeweils ein bis zwei Kinder“, erklärt Projektleiterin Trendela Braun. Sie ist seit dem Start 2015 dabei, kümmert sich hauptberuflich um alle Belange des Projektes. Normalerweise erstreckt sich eine Patenschaft über ein Schuljahr. Doch was ist schon normal im Jahr 2020? Da im Frühjahr wegen der Pandemie über viele Wochen keine Wunderfinder-Treffen stattfinden konnten, dürfen die Kinder des letzten Jahrgangs noch ein weiteres Schuljahr mit ihren Paten die Stadt durchstreifen und Wunderorte entdecken.
Bei jedem Ausflug dabei sind der Wunderfinder-Rucksack und das Tagebuch, in dem die Kinder ihre Erlebnisse festhalten können. Elas Tagebuch ist bereits gut gefüllt, mit Zeichnungen, Bildern, kleinen Geschichten. 
Bis zum 13. Dezember können Sie, liebe Leser, noch spenden. 
Hier können Sie alles Wichtige rund um die einzelnen Spendenprojekte nachlesen. Im LVZ-Adventsletter „24 gute Tage“ gehen wir später noch einmal auf die diesjährigen Aktionen ein und können Ihnen am 24. Dezember hoffentlich eine neue Rekord-Spendensumme verraten. Lieben Dank für Ihre Großzügigkeit.
Kreativ durch den Advent

Likör selber machen: Mit einfachen DIY-Anleitungen zum perfekten Geschenk an Weihnachten
Kerzen in der Adventszeit: Das sagt ein Lichtforscher zum Corona-Advent – „Kerzen streicheln unsere Seele”
Weihnachtsessen: Diese Gerichte sind an Heiligabend und Weihnachten am beliebtesten
Das Weihnachts-ABC: H wie Heiligabend

Das Christkind von Bethlehem unter dem Altar der franziskanischen Katherinenkirche. Foto: epd
Das Christkind von Bethlehem unter dem Altar der franziskanischen Katherinenkirche. Foto: epd
Der Heilige Abend am 24. Dezember ist der Tag der Geburt Jesus Christus. Nach dem antiken Kalender gehört der Abend des 24. Dezembers liturgisch bereits zum Weihnachtstag. In Europa hat sich die familiäre Weihnachtsfeier mit Bescherung und Festessen mehr und mehr auf den Abend oder schon den Nachmittag des 24. Dezember vorverlagert. In der orthodoxen Kirche gilt der 24. Dezember weiterhin als letzter Tag der vorweihnachtlichen Fastenzeit. Das eigentliche Weihnachtsfest beginnt mit dem Ersten Feiertag am 25. Dezember. Der 24. Dezember ist in Deutschland,  kein gesetzlicher Feiertag im Sinne der Arbeitsruhe. In den meisten Landesgesetzen ist er ab den Nachmittags- oder Abendstunden als stiller Tag festgesetzt.
Adventsaktionen der Leipziger Kirchen

Die Kreuzkirche Leipzig widmet sich im Adventskalender der Leipziger Kirchen heute der Frage, ob man in dieseren unsicheren Zeiten noch Gründe hat dankbar zu sein. Orientierung dafür gibt der Dichter, protestantische Theologe und Kirchenmusiker der Barockzeit Martin Rinckart.
8. Türchen: Kreuzkirche Leipzig
8. Türchen: Kreuzkirche Leipzig
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.