Profil anzeigen

Was ist Leipzig ohne Stadtleben, Burkhard Jung?

24 gute Tage - der LVZ-Adventsletter24 gute Tage - der LVZ-Adventsletter

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich kapituliere. Ich gebe dem stetig wachsenden Druck nach und mache heute ganz bewusst keinen guten Job! Bis zum 16. Tag haben wir - meine Kollegin Julia Grass und ich - es durchgehalten, den schlechten Nachrichten die guten Seiten abzugewinnen. Haben uns verantwortungsbewusst und beinahe stur am Titel des Adventsletters festgebissen. Es hat sogar (wenige) Ausgaben von “24 gute Tage” gegeben, die gänzlich ohne Worte wie “Corona”, “Virus” oder “Pandemie” ausgekommen sind. Wir waren dem verbliebenen Hauch des Guten immer auf der Spur.
Jetzt ist Schluss.
Wenigstens für einen Tag… Es ist Blödsinn, krampfhaft so zu tun, als wäre das Leben in Ordnung. Ist es nicht.
Deswegen gebe ich mir heute gar nicht erst die Mühe, gute Mine in diesem Spiel zu machen. Warum? Weil Leipzig ohne Stadtleben einfach nicht Leipzig ist. Weil es da nichts schön zu reden gibt. Weil es traurig ist, im Dezember abends über den Markt zu laufen und es da menschenleer ist. Weil es fürchterlich ist, sich an die Tatsache gewöhnen zu müssen, dass man am späten Heiligen Abend nicht zum Geschenketausch auf der Karli oder der Karl-Heine abtauchen kann (pah, welche Geschenke? Die Läden haben ja auch dicht). Weil Adventssonntage im Clarapark ohne Glühwein to go einfach nur halb so schön sind. Selbst wenn jetzt Schnee fallen würde… ach, ich denke lieber gar nicht dran.
Ich habe richtig miese Laune. Ganz ehrlich. Ich habe meine Mittagspause gestern beim Friseur verbracht, der logischerweise noch schlechter gelaunt war als ich. Veysel Bürük hat seinen Salon auf der Karli und er muss heute zum zweiten Mal in diesem Jahr schließen - für Wochen. “Die Karli ist nicht mehr das, was sie vor einem Jahr war”, sagte er mir mit einem traurigem Blick in den Spiegel. Irgendwie wirkte selbst die Löffelfamilie gegenüber an der Feinkost bedröppelter als sonst.
Bestellen Sie den Adventsletter jetzt nicht überspungshandelnd ab. Es kommen wieder bessere Tage. Und unser OBM bekommt in seiner Antwort auf die Letter-Leitfrage den deutlich positiveren Bogen.
Herr Jung, bitte übernehmen Sie! Ich bin raus (für heute).
Zerknirscht, Ihr Thomas Lieb
Was ist Leipzig ohne Stadtleben, Burkhard Jung?

Foto: André Kempner
Foto: André Kempner
Eine Stadt ohne Kultur, das ist gar nicht vorstellbar. Kultur ist ja das, was eine Stadt ausmacht. Gerade Leipzig definiert sich mehr als die meisten anderen Städte über Musik und Kunst. Fast alles fehlt jetzt, und das tut mir auch persönlich sehr weh.
Dabei ist die Kulturszene sehr kreativ, hat sehr schnell Online-Angebote gemacht, hat Konzerte und Auftritte im Netz übertragen. Aber sind wir ehrlich: Das ist nicht dasselbe. Zur Kultur gehört die Begegnung mit anderen, der Austausch, die gemeinsame Freude, die Debatte.
Wir ahnen, dass die Kultur erst sehr spät wieder auf das Vor-Krisen-Level kommen wird. Es wird noch lange dauern, bis Konzertsäle, Theaterbühnen und Clubs wieder uneingeschränkt öffnen können. Was mir aber Mut macht: Wir sehen am Horizont die Chancen der Impfung; vielleicht haben wir im Herbst ‘21 die Corona-Pandemie hinter uns und wir werden künftig eine andere Debatte über die Kultur führen. Das Fehlen der Kultur führt uns vor Augen, was wir vermissen, wir merken schmerzlich, dass wir soziale Wesen sind, die andere Menschen brauchen wie die Luft zum Atmen. Mit dieser neugewonnenen Erkenntnis werden wir unsere Kultur künftig aus einem anderen Blick wahrnehmen. Das ist immerhin ein kleiner Grund zum Optimismus.
Und jetzt und bis dahin werden wir in unseren Wohnungen zu Weihnachten und darüber hinaus im kleinen Kreis miteinander auch Kultur erleben; vielleicht Musik hören, gemeinsam musizieren, Theater an den Bildschirmen erleben und lesen.
Wir öffnen... Türchen 16 im LVZ-Adventskalender

Foto: LVZ
Foto: LVZ
Die Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk fällt einem leichter, dem anderen schwerer. Inbesondere weil jetzt auch noch die Schließung des Einzelhandels beschlossene Sache ist, hilft ein Wunschgutschein über 50 Euro etwas weiter. Einlösbar bei über 500 Shops, wie Amazon, Thalia, H&M, Otto, Media Markt uvm.
Buchtipp für den Advent

Henry Handel Richardson: „Maurice Guest” (erscheint im Dezember in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung) empfohlen von Frauke Hempel aus der Buchhandlung Wörtersee (Peterssteinweg 9).
Der Roman spielt im Musikviertel. Er ist zugleich Liebesgeschichte, Musik- und Künstlerroman und nicht zuletzt Hommage an das Leipzig um 1900. Die Autorin Henry Handel Richardson (1870-1946) studierte ebenfalls in Leipzig Musik und gilt als eine der wichtigsten Autorinnen Australiens.  
Kreativ durch den Advent

Christbaumschmuck aus dem Backofen: Bastelspaß mit Salzteig
Mehr als nur ein Keks: Spekulatiuscreme, -likör und -zupfbrot zum Selbermachen
Weihnachten: Familienfoto als Geschenk – worauf zu achten ist
Machen Sie mit: LVZ schickt im Lockdown Leser-Grüße an Senioren im Altenheim
Weihnachts-ABC: P wie Pyramide

Die Weihnachtspyramide auf dem Colditzer Marktplatz. Foto: Thomas Kube
Die Weihnachtspyramide auf dem Colditzer Marktplatz. Foto: Thomas Kube
Herstellung und Gebrauch von Pyramiden sind ein Bestandteil der Volkskunst und des Brauchtums im Erzgebirge. Die karussellartig aufgebauten Gestelle werden sowohl mit christlichen als auch mit weltlichen Motiven (Bergleute und Waldmotive) angefertigt und werden traditionell mit Hilfe der aufsteigenden Wärme von den Kerzen angetrieben, die ein Flügelrad und den damit über einen Stab verbundenen Teller in Bewegung setzt. Weihnachtspyramiden aus dem Erzgebirge sorgen neben großen, staunenden Kinderaugen weltweit für eine besonders festliche und gemütliche Stimmung, vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit. Die gleichmäßige, ruhige Drehbewegung und die detailreiche Ausschmückung der Figuren schaffen eine ganz besondere Atmosphäre und lassen nicht nur die Herzen von Liebhabern dieser kunsthandwerklichen Schmuckstücke höher schlagen.
Adventskalender der Leipziger Kirchen

Mit dem 16. Türchen des Adventskalenders der Leipziger Kirchen nimmt Sie die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) mit auf eine adventliche Stadtrundfahrt mit dem Lastenfahrrad. Dazu singt der ESG-Chor.
16 Evangelische Studierendengemeinde
16 Evangelische Studierendengemeinde
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.